Die Gemeinschaft Evangelisch Taufgesinnter

Wir teilen Erfahrungen rund um die Gemeinschaft - vom Einstieg, dem Leben darin bis zum Ausstieg.


Diese Website ist nicht aus dem Beweggrund entstanden, die Gemeinschaft Evangelisch Taufgesinnter (GET) oder Personen darin zu verunglimpfen, sondern weil Mitglieder aus dieser Glaubensgemeinschaft Feststellungen und Erfahrungen gemacht haben, die äusserst nachdenklich stimmen.
Unser Ziel ist es nicht zu entzweien, sondern um jeden Einzelnen zu ermutigen offen über seine Erfahrungen und Erlebnisse zu sprechen. Nur ein Geist der Offenheit und Ehrlichkeit kann uns zu selbstdenkenden und selbsturteilenden Nachfolgern machen um wie die Beröer, eine Gesinnung des Prüfens und Forschens zu beweisen, welches der Apostel Paulus als “edel” bezeichnete. (Apostelgeschichte 17.11)
Dazu ist es dringend nötig, auf Ungereimtheiten und falsche Ansichten hinzuweisen. Wir wollen wenn nötig im Ernst aufrütteln, in der Liebe ermahnen und das Licht auf den Leuchter stellen.

Du bist nicht angemeldet.

#1 07.03.2018 16:32:16

Insider
Mitglied

Unwichtigkeit der Bibel in der GET

Psalm 119, 105 „Dein Wort ist meines Fusses Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.“

Wenn das forschende, eifrige, begierige (1. Petrus 2,2) Bibellesen nicht so wichtig ist, wie schon mehrfach in Betrachtungen so gesagt wurde („man soll am Morgen und am Abend ein paar Verse lesen, nicht zu viel, es kommt nicht darauf an, viel zu lesen“) hat man dann eine gute, kräftige „Leuchte meinem Fuss“ oder eher nur ein schwaches Lämpchen, etwa einem Glühwürmchen gleich?

„...sondern hat Lust zum Gesetz des HERRN und redet von seinem Gesetz Tag und Nacht! Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht; und was er macht, das gerät wohl.“ (Psalm 1, 2-3)

Wenn die „Lust am Gesetz“ (also am Wort Gottes) im Keim erstickt wird, und man bewusst  und willentlich nur wenig liest in der Bibel, und nicht ausdauernd, im Zusammenhang, mit Freude, unter Gebet und mit wachen Sinnen: Was für ein Baum entsteht wohl unter solchen Bedingungen? Kann da ein Baum wachsen, der reichlich gute Frucht bringt, oder wächst da mangels genügend Wasser (das Bild vom Wort Gottes) ein kümmerliches Bäumchen heran - oder gar nur Kakteen?

Warum wurde das Lied „Wir lassen nicht die Bibel...“ bei der letzten Überarbeitung aus dem langen Heftli gestrichen?

In der katholischen Kirche wurde es früher nicht gerne gesehen, wenn das normale Fussvolk in der Bibel las. Es wurde angekreidet, es sei eben ganz falsch, wenn jedermann die Bibel selber liest und auslegt. Dazu müsse man gelehrt sein, und nur die Priester hätten den wahren heiligen Geist. Erinnert dies nicht stark an die Haltung in der GET?

Die Frauen sollen zu Hause ihre Männer fragen, wenn ihnen etwas unklar ist. (1. Kor 14,35) Das zeigt uns zwei Sachverhalte: Erstens ist es offensichtlich biblisch, dass zu Hause über das Geistliche geredet wird. Im Gegensatz dazu wird in der GET gesagt, „Wir leben nach der Bibel, aber reden nicht darüber“, und das wird im Alltag leider bei sehr vielen Mitgliedern genau so praktiziert. Zweitens lernen wir daraus, dass die Männer in der Lage waren (und heute noch sein sollten!), den Frauen zu antworten. Das wiederum können sie nur, wenn sie die Schriften kennen, was voraussetzt, dass die Männer (und natürlich nicht weniger auch die Frauen) die Bibel fleissig und im Zusammenhang ein Buch ums andere lesen. Gerade die Inhalte der Briefe sind ohne gute Kenntnisse des Alten Testamentes und der Evangelien kaum richtig zu verstehen.

Nirgends finden wir diese unselige, in hohem Masse unbiblische Aussage „Du musst nicht versuchen einen Stein zu heben, der zu schwer ist für Dich!“ , die eine Person zu hören bekommt, wenn sie die Bibel gerne besser verstehen möchte, und deswegen eine andere Person, z. B. einen Ältesten oder Lehrbruder um eine Auslegung einer Schriftstelle bittet. Dürfen wir den Mangel an Schriftkenntnissen wirklich leichtfertig zur Seite schieben?

In der Versammlung wird gesagt, dass die Bibel die einzige Grundlage der Gemeinde sei. Hierzu ein paar Gedanken meinerseits:

Wann wurde die GET das letzte mal ungeheuchelt am Wort Gottes geeicht? Ohne Scheu vor eventuellen Eingeständnissen? In allen Bereichen, in allen Punkten? Ich zweifle keinen Moment daran, dass sich die GET ursprünglich ganz klar an der Bibel ausrichten wollte. Aber wann wurde sie das letzte mal geeicht? Ist eine Uhr, die vor 3 Monaten das letzte Mal exakt gerichtet wurde, noch genau? Wie sieht es aus, wenn man sie schon viele Jahre nicht mehr gerichtet hat? Hat es nicht auch eine Waage immer wieder mal nötig, dass sie exakt geeicht wird? Wiegt eine Waage heute noch richtig, wenn sie vor 100 Jahren richtig gewogen hat? Hat denn die Versammlung Gottes diese Eichung am lauteren Wort Gottes nicht auch sehr nötig? Ist das nicht noch viel ernster als im Irdischen? Wird heute noch mit „rechter Waage“ gewogen in der GET, bloss weil dies früher (vor sehr vielen Jahren) tatsächlich der Fall war?

Wann wurden die Zuhörer jemals in einer Betrachtung aufgefordert, die Lehre der GET ernsthaft zu prüfen, ob sie auch wirklich mit Gottes Wort übereinstimmt? Wird nicht vielmehr gepredigt, man solle die Bibel morgens und abends irgendwo aufschlagen, um nur wenig auf‘s mal zu lesen?

Stellen wir uns mal folgendes vor: Mister X kauft eine geniale Maschine, welche unzählige Funktionen hat. Nun schlägt ihm der Verkäufer vor, die 1000-seitige Bedienungsanleitung nur so häppchenweise mal da, mal dort ein bisschen zu lesen. Würde der Kunde diese Maschine auf diese Weise jemals wirklich optimal nutzen können? Wie viel weniger können wir durch diese Art Bibellesen in der Tiefe erfassen, was uns Gott in Seinem Wort sagen möchte! Wie viele Schätze bleiben verborgen und unentdeckt, wenn wir die Bibel derart vernachlässigend lesen? Ja, lasst uns „tiefer graben“ (wie wir alle ja schon unzählige Male aufgefordert wurden. Aber nicht in unserem Schuldenberg, sonst wären wir ja immerzu nur mit uns selber beschäftigt, das führt nicht zum Ziel.) Nein, sondern lasst uns in dem so unbeschreiblich wertvollen, so sehr kostbaren Wort Gottes „tiefer graben“. Welch ein Reichtum an Schätzen werden uns da offenbart, wenn wir es im Zusammenhang lesen, und mit verlangenden, betenden Herzen in der Schrift forschen! Dann dürfen wir mit den Emmaus-Jüngern sagen „Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Weg, ALS ER UNS DIE SCHRIFT ÖFFNETE?“ Lukas 24,  Sag, kennst Du dieses Brennen auch? Ich habe viel ausprobiert in meinem Leben, aber diesen tiefen Frieden, der all‘ dies Sehnen für immer stillt, den fand ich bei Jesus Christus durch Gottes Wort. Wie könnte ich seither anders, als bis an mein Lebensende (wenn nicht der Herr Jesus vorher schon kommt, und uns alle, die wir ALLEIN DURCH DEN GLAUBEN AN SEIN ERLÖSUNGSWERK AUF GOLGATHA errettet sind, zu sich in den Himmel entrückt) mit Verlangen und betendem Herzen mit Eifer so oft wie möglich in der Bibel lesen? Niemals lasse ich mir von Menschen dieses Vorrecht rauben, und mir vorschreiben, dies sei nicht wichtig, oder gar zu meinem Schaden! Wer anders würde sich am Befolgen eines solchen Rates freuen als allein der Widersacher, dem jede List recht ist, uns von Gottes Wort fern zu halten?

Als Grund, warum man nur wenig lesen soll in der Heiligen Schrift, wird gesagt, man werde  dadurch aufgebläht. Ja, wenn wir alles was wir lesen, nur in den Kopf pauken, ohne um Verständnis zu beten, oder gar um damit zu bluffen, wäre dies schlimm. Aber aus dieser Schriftstelle zu schliessen, man könne zuviel in der Bibel lesen und darin forschen ist offensichtlich noch sehr viel schlimmer. War Paulus, welcher zweifellos sehr gute Schriftkenntnisse hatte, etwa aufgebläht? Nicht das eifrige Lesen in der Schrift verurteilt diese Bibelstelle, (1. Tim 6,4) sondern genau das Gegenteil: Wer nicht in der reinen Lehre Jesu Christi bleibt, DER ist aufgeblasen. Und das passiert viel eher dann, wenn wir nur da und dort ein wenig lesen, als wenn wir im Zusammenhang und mit Verlangen (gemeinsam oder auch alleine) in der Schrift forschen.

Hier ein paar Überlegungen dazu:

Paulus nennt die Beröer edel, weil sie eifrig in der Schrift forschten. (Nebenbei gesagt taten sie dies mit Sicherheit nicht jeder in seinem stillen Kämmerlein sondern gemeinsam, denn damals waren Schriftrollen rar und dementsprechend teuer. Das war damals nicht verkehrt, und ist es auch heute nicht)

Wenn wir das eifrige Forschen in der Heiligen Schrift als falsch erachten und predigen, verurteilen wir viele Glaubensmänner der Bibel. Wie hätte ein Apostel Paulus je solche Briefe schreiben können, wenn er diese umfassende Schriftkenntnis nicht gehabt hätte?

Hätte Stephanus kurz vor seiner Steinigung ausrufen können „Ich sehe den Himmel offen“ wenn Gott nicht mit ihm gewesen wäre? Was aber tat Stephanus kurz davor? In der Apostelgeschichte von 6,8 bis 8,2 finden wir die ganze Geschichte von Stephanus. Wir finden da seine gewaltige Rede, die er mit grösster Wahrscheinlichkeit aus dem Stegreif hielt. Zähle einmal, wie oft er aus dem Alten Testament (Mose, Propheten) zitiert! Kann so ein Mann reden, der die Schrift nur mässig kennt? Die Antwort liegt auf der Hand.

In Apostelgeschichte 8, 26 - 40 lesen wir die Geschichte vom Kämmerer. Der Vers 35 ist bezeichnend: Philippus war in der Lage, ohne Vorbereitung dem Kämmerer VON DIESER STELLE AUS das Evangelium zu verkündigen. Wie hätte er dies tun können, ohne sehr gute Schriftkenntnisse?

Wo in Gottes Wort wird eine Person verurteilt oder zurechtgewiesen, weil sie die Schrift zu gut kennt, oder aber mehr von Gottes Wort verstehen möchte? Ist es nicht ein deutliches Merkmal eines Wiedergeborenen, wenn er, im Gegensatz zu vorher, nun mit Verlangen und eifrig in der Bibel liest, und das herzliche Verlangen hat, Gottes Wort (also Gottes aufgeschriebene Gedanken!) noch viel, viel besser zu kennen? Ist es nicht einfach nur völlig logisch, dass ein Mensch, der die Gnade Gottes an sich erfahren durfte, DEN immer noch besser kennen zu lernen, der ALLES für ihn getan hat, und heute sein Fürsprecher ist, den Herrn und Heiland Jesus Christus? Wie kann ein Mensch Christus ähnlicher werden, wenn er die Schrift, die von seinem geliebten Herrn Jesus spricht, nicht täglich mit brennendem Herzen erforscht? Ist nicht das eines der Hauptmerkmale eines aufrichtig Bekehrten, dass er gar nicht mehr anders will, als auf IHN allein zu schauen?

Beitrag geändert von Insider (09.03.2018 13:20:21)

Offline

Fußzeile des Forums

Powered by FluxBB