Die Gemeinschaft Evangelisch Taufgesinnter

Wir teilen Erfahrungen rund um die Gemeinschaft - vom Einstieg, dem Leben darin bis zum Ausstieg.


Diese Website ist nicht aus dem Beweggrund entstanden, die Gemeinschaft Evangelisch Taufgesinnter (GET) oder Personen darin zu verunglimpfen, sondern weil Mitglieder aus dieser Glaubensgemeinschaft Feststellungen und Erfahrungen gemacht haben, die äusserst nachdenklich stimmen.
Unser Ziel ist es nicht zu entzweien, sondern um jeden Einzelnen zu ermutigen offen über seine Erfahrungen und Erlebnisse zu sprechen. Nur ein Geist der Offenheit und Ehrlichkeit kann uns zu selbstdenkenden und selbsturteilenden Nachfolgern machen um wie die Beröer, eine Gesinnung des Prüfens und Forschens zu beweisen, welches der Apostel Paulus als “edel” bezeichnete. (Apostelgeschichte 17.11)
Dazu ist es dringend nötig, auf Ungereimtheiten und falsche Ansichten hinzuweisen. Wir wollen wenn nötig im Ernst aufrütteln, in der Liebe ermahnen und das Licht auf den Leuchter stellen.

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#1 29.03.2016 09:24:39

Rosmarie Stucki
Mitglied

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Die Lehre der Gemeinschaft Evangelisch Taufgesinnter gilt unbedingt und Kritik demzufolge als Griff ins Heilige. Die Verkündigung und ihre Auslegung entsprechen Gottes Wille, dieser ist unanfechtbar und deshalb auch nicht erklärungsbedürftig, sondern anzunehmen und umzusetzen. Ausserhalb des stillen Kämmerleins ist daher keine Auseinandersetzung mit den Glaubensgrundsätzen erwünscht, denn diese wirft Fragen auf und führt zu Zweifel, was im Widerspruch zum Gebot des Glaubens und Gehorsams steht.

Die Gemeinschaft umfasst und prägt das Leben der Mitglieder vollumfänglich. Sie versteht sich als Behüterin der Wahrheit und grenzt sich von (Aussen)welt und Gesellschaft ab, um ihre Reinheit zu bewahren.

Etliche Mitglieder richten ihr Dasein den Lehren der Gemeinschaft gemäss aus, andere machen halbherzig mit. Persönliche Abgrenzung zu Ansprüchen der Gemeinschaft mag über Zeit im Austritt münden, nicht wenige kommen mit einer oftmals wohl belastenden Doppelspurigkeit zurecht. Ungetaufte Mitglieder können sich zwar begrenzt Freiheiten nehmen, dies bedingt aber Verschwiegenheit und möglicherweise das Wegsehen des Umfelds, was Spannung auf beiden Seiten bewirkt. Man läuft Gefahr, mit seiner liberaler gefassten Sicht- und Lebensweise konfrontiert zu werden. Wer sich nicht fügen mag, wurstelt oder mogelt sich durch, verlässt als letzte Konsequenz die Gemeinschaft. Verschiedene Vergehen wie zum Beispiel ausserehelicher Sex hingegen werden von Amtes wegen geahndet; in einem solchen Fall bricht die Gemeinschaft mit dem Individuum.

Das Spannungsfeld entsteht durch und für jene Menschen, welche die grundsätzlichen Glaubensauffassungen zwar teilen, deren Leben und soziales Umfeld in der Gemeinschaft eingebettet sind, die sich aber nicht dem rigorosen Verhaltenskodex, insbesondere was die Abgrenzung zur Gesellschaft betrifft, beugen wollen. Ist der Spagat zwischen diesen Polen nicht immer wieder von Pausen der Ruhe und Erholung gezeichnet, brechen an ihm auch die dehnbarsten Geister.

Diese Aspekte der Glaubensgemeinschaft erschweren es zweifelnden und auch verzweifelten Gliedern, sich mit ihr und ihrem Verhältnis zu ihr auseinanderzusetzen. Die Sinnfrage wird permanent, wichtige Fragen bleiben unbeantwortet. Die Absenz nachvollziehbarer Rückschlüsse drängt Gemeindeglieder entweder in die Ecke jener verängstigten Gehorsamen, deren Angst vor Fragen und Kritik im eigenen Unverständnis und Missverstehen des gewählten Lebensentwurfs gründet, während sich auf Seite der suchenden, nach Verstehen dürstenden Menschen Ohnmacht breitmacht, die sich zu oft in emotionsgeladenem Frust und manchmal auch in Wut entlädt, was wiederum den vernünftigen Klärungsversuch untergräbt.

Hier setzt die Plattform an. Ich begrüsse und verdanke die Arbeit der Initianten und wünsche mir jenen Austausch, der trotz allem Schmerz geschundener Seelen weniger auf Herumhackerei als auf gegenseitiger Achtung und echtem Zuhörenwollen beruht, damit die Verkopplung verschiedener Erfahrungen und Ansichten zu neuen Erkenntnisansätzen führe, die geeignet sind, individuelle wie auch kollektive Meinungen zu überdenken, zu ergänzen und - ganz wichtig: (wertungsfrei) zu verstehen.

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#2 18.01.2017 22:46:09

Rosmarie Stucki
Mitglied

Re: Zum Forum

Der Beiträge in diesem Forum sind wenige. Einsam lungern sie hie und da ungeachteten Provokationen gleich vor sich hin. Der grösste Informationsstoss stammt ironischerweise aus der Feder eines Nichtbetroffenen, der in missionarischem Eifer und respektheischender Kleinarbeit umfassende Einsicht in die Gemeinschaft gewonnen (und überhaupt zu allem etwas zu sagen) hat. Dieser GET-Snowden erscheint zwar vielen suspekt, aber die Klicks leugnen das vielfache Interesse nicht.

Man liest sich so in der Sicherheit des Hintergrunds aufmerksam durch die zu spärlichen Beiträge, die wie Wikileaks manchmal etwas tendenziös daherkommen. Man spürt den Wahrheitsanspruch, den man gleichzeitig der Gemeinschaft ankreidet, und die Frustration, die sie auslöst. Manch kritischer Beitrag zeugt von einer Einstellung, die sich in ihrem Selbstverständnis nicht wirklich von jener der Gemeinschaft abhebt. Natürlich kann und darf man die Bibel besser kennen und die Texte überzeugender interpretieren: Hier richtig, da falsch! Gut, so es denn hilft.

Das Forum lädt zum Erfahrungsaustausch ein und dazu, angebliche Missstände und Irrlehren aufzudecken. Was diese genau sein sollen, hängt, um einmal aufgrund der Beiträge zu urteilen, von der persönlichen Sichtweise ab. Man mag das Weltbild der Gemeinschaft als rückständig anprangern und die Strukturen und reaktionären Praktiken auf der Skala von unzeitgemäss bis unmenschlich verwerfen. Es wird der Gemeinschaft jedoch weder kriminelle noch gewollt bösartige Energie unterstellt. Es scheinen die vielen (schlecht oder nicht begründeten) Auflagen zu stören, das aus Verschwiegenheit und Kommunikationsverweigerung resultierende Informationsvakuum, die institutionalisierte Angstmacherei, die Zucht-und-Ordnung Hierarchie, die anscheinend alle Macht auf wenigen unansprechbar und rechthaberisch veranlagten Narzissten vereinigt, die sich so in einem Anflug von Machtgeilheit die Mitglieder gefügig machen. Auch wenn sexuelle Übergriffe vorgekommen sind, niemand hat einen direkten Bezug zwischen Gemeinschaft und Missbrauch belegt. Man flirtet mit Vorwürfen unlauterer Einflussnahme bei reichen Erbonkeln. Thesen und Vermutungen kommen teilweise reichlich spekulativ daher, manche Annahmen sind gewagt. Jedenfalls bleibt man den Beweis schuldig, der Gemeinschaft liege mehr am Mammon denn am Seelenheil der Schafe. Bilder und religiöse Sprüche an der Wand sind zwar des einen Quelle der Freude und Inspiration, für den anderen hingegen wie die Geige untüchtig zum Lobe des Herrn, eine Feindeslist gar zur Ablenkung der Gläubigen.

Es geht es also um verschiedene Meinungen. Sichtweisen prägen Denken und Handeln. Die Überzeugungen der Mächtigen üben Einfluss auf jene aus, die sich dieser Macht gewollt oder ungewollt aussetzen. Das ist nicht unüblich und trifft auf die meisten Gesellschaftsordnungen zu. Der Grad der Freiheit bemisst sich aus der Enge oder Weite des individuellen Spielraums wie aus der Möglichkeit, an der Definition der Spielregeln mitzuwirken. Der Gemeinschaft liegt weder an demokratischen Prozessen noch an liberalen Werten. Als Zückerchen: jeder ist frei, sich sein eigenes Seelenheil zu basteln. Für die bequem veranlagten unter den Heilsbegierigen gibt es zudem vorgeschnürte Fertigpakete in Fangemeinden jeglicher spiritueller Couleur, komplett versehen mit garantiert gültigem Alleinseligmachend-Zertifikat.

Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied und soll nach seiner eigenen Fasson selig werden. Ich beglückwünsche jene, die sich wohlfühlen in der Gemeinschaft. Ich gratuliere den Forumsteilnehmern, die einen Beitrag verfassen. Allen, die sich ihre Pein oder den Ärger von der Seele schreiben, wünsche ich Gelassenheit, jene andere Form des Seelenfriedens. Ich gebe der Hoffnung Ausdruck, man lese die Einträge offen und mit Interesse, dass insbesondere Gemeinschaftsmitglieder ihre Eindrücke der aus ihrer Warte sicherlich akuten Kritik nicht nur als feindgewirkte Ablehnung und blossstellende Verachtung abtun, dass sie sich hingegen vergewärtigen, dass Glaube und Überzeugung zweierlei Ding sind und es etlicher Weisheit bedarf, das eine vom anderen zu unterscheiden. Man darf an seinen Glauben glauben. Das Wissen um das Wissen hat niemand. Und deshalb ist es problematisch, eine göttliche Allmacht aus der eigenen und damit endlichen Erfahrung oder Vorstellung abzuleiten, die im Wettbewerb zur Erfahrung oder Vorstellung eines anderen Menschen steht. Anders ausgedrückt: Die Welt ist unendlich friedlicher, wenn Glaube persönlich bleibt. Ein gutes neues Jahr!

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